Von der Hand zum Werkzeug - neue Publikation in Child Development von Dr. Miriam Beisert und Prof. Moritz Daum

Moritz Daum

In einer gerade erschienenen Publikation in Child Development berichten Dr. Miriam Beisert und Prof. Moritz Daum über die Ergebnisse einer Studie zur Entwicklung des Werkzeuggebrauchs bei Kleinkindern.

In einer gerade erschienenen Publikation in Child Development berichten Dr. Miriam Beisert und Prof. Moritz Daum über die Ergebnisse einer Studie zur Entwicklung des Werkzeuggebrauchs bei Kleinkindern. Der Gebrauch von Werkzeugen ist eine bedeutende Fähigkeit des Menschen. Werkzeuge werden eingesetzt, um Effekte zu erzielen, die durch menschliches Handeln allein nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind und entsprechend unser tägliches Leben erleichtern. Manuelle Handlungen, auf die sich die vorliegende Arbeit konzentrierte, sind die grundlegendste Form der Werkzeughandlung. Bei einer manuellen Werkzeughandlung ist das Werkzeug ein Objekt, das die Handbewegung des Nutzers in einen gewünschten Effekt umwandelt. Die jeweilige Transformation kann entweder kompatibel sein, d.h. die Bedienungsbewegungen und die daraus resultierenden Effektbewegungen an der Werkzeugspitze haben die gleiche Richtung (z.B. wie beim Verwenden einer Pinzette) oder sie kann inkompatibel sein (z.B. bei Verwendung einer Wäscheklammer).

In der aktuellen Studie luden die Autoren 64 Kinder im Alter von 27-30 Monaten an die Universität Zürich ein (http://www.kleineweltentdecker.ch). Die Kinder lernten zunächst, einen Hebel zu betätigen, um eine Kugel auf ein Ziel zu bewegen, siehe Abbildung 1. Je nach Art des Hebels war die Transformation zwischen der Bewegung am Hebelgriff und der daraus resultierenden Bewegung der Hebelspitze entweder kompatibel (Schiebehebel) oder inkompatibel (Drehhebel). Nach dieser Lernphase lernten die Kinder, einen zweiten Hebel zu betätigen, bei dem die Art der Transformation (kompatibel oder inkompatibel) entweder die gleiche oder eine andere war als in der Lernphase.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Kinder im Allgemeinen lernten, einen
Hebel zielgerichtet zu betätigen, und zwar sowohl mit einer kompatiblen
als auch mit einer inkompatiblen Transformation. Jedoch lernten die
Kinder den kompatiblen Hebel schneller erfolgreich zu betätigen als den
inkompatiblen Hebel und machten dabei weniger Fehler. Darüber hinaus
lernten die Kinder den zweiten Hebel schneller, wenn die Transformation
vom ersten Hebel gleich blieb, und sie lernten langsamer, wenn sie
verändert wurde. Schliesslich lernten die Kinder die Verwendung des
inkompatiblen Hebels eher sukzessiv. Verglichen mit dem kompatiblen
Hebel gab es eine längere Phase des Wechsels zwischen richtigen und
falschen Durchgängen.

Zusammengefasst zeigt die Studie, dass zwei Prinzipien des
Werkzeuggebrauchs von Erwachsenen auch für das frühkindliche Erlernen
des Werkzeuggebrauchs gelten: Erstens lernen Kinder den Gebrauch von
Werkzeugen schneller, wenn die Transformation kompatibel im Vergleich zu
inkompatibel ist (Kompatibilitätseffekt). Zweitens gibt es
Transfereffekte der Transformation beim Wechsel zwischen Werkzeugen.

Diese Effekte zeigen, dass die Entwicklung des Werkzeuggebrauchs
verschiedene Prozesse beinhaltet, bei denen die Transformation zwischen
Bedienungsbewegungen und daraus resultierenden Effekten ein wichtiger
Faktor ist.

Originalpublikation:

Beisert, M., & Daum, M. M. (2020). Compatibility effects in young children’s tool use: Learning and transfer. Child Development, n/a(n/a). https://doi.org/10.1111/cdev.13455

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