Studienziel

Die zunehmende soziale Ungleichheit und sinkende Bildungsrenditen machen frühe Investitionen in die verschiedenen Lebenswelten von Kindern, ihr Lernen, Freizeit, Schule, immer wichtiger für ihre Entwicklung, ihr Wohlbefinden und ihre schulischen Leistungen. Insbesondere  der Strukturwandel der Familie, knappe Zeitbudgets und sich verändernde Lern- und Unterstützungsnetze erfordern Anpassungen im individuellen und gemeinsamen Lernen.

Um neues Wissen zur Förderung organisatorischer Fähigkeiten zum Lernen zu schaffen, insbesondere Zeitstrukturierungs- und Planungsfähigkeiten, exekutive Funktionen und Schlaf, entwickeln und evaluieren wir gezielte Interventionen, die alle Beteiligten (Eltern, Lehrer, Kind) in die Gestaltung gesunder, entwicklungsfördernder Tagesabläufe einbeziehen und sowohl die Kommunikation als auch die Vernetzung zwischen Eltern, Lehrern und Kindern erleichtern. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf Übergangsphasen (z.B. Einschulung, Wechsel innerhalb und zwischen Schulen), in denen sich strukturelle Veränderungen auf natürliche Weise vollziehen und sich Rollen, Beziehungen und Identität entwickeln. Wie entwickeln Kinder und Eltern tägliche Routinen (Freizeitaktivitäten, Zeit mit der Familie, Zeit mit dem Kind), die zur kindlichen Entwicklung und zum Lernen beitragen, und warum fällt es manchen leichter als anderen? Wie unterstützen Familien den Erwerb von organisatorischen Fähigkeiten ihrer Kinder zum Lernen, insbesondere bei Schulübergängen (z.B. werden Alltagserfahrungen in der Familie besprochen)? Wie können soziale Netzwerke Kindern helfen, gesunde und entwicklungsfördernde Alltagsroutinen zu entwickeln? Wie schnell festigen sich soziale Netzwerke und Alltagsroutinen nach Schulübergängen und wie wirkt sich das Tempo der Anpassung auf das Lernen, die Entwicklung und das Wohlbefinden eines Kindes aus? Dies sind die Hauptfragen, die wir erforschen.

Wesentliche Dimensionen, die in Zusammenhang mit diesen Fragen erhoben werden, sind folgende:

Wohlergehen und Entwicklung

Basierend auf theoretischen Arbeiten von Brooks-Gunn (1990) und Deci/Ryan (2008) umfasst unser Verständnis von Wohlergehen und Entwicklung 6 Dimensionen: Akademisch/kognitiv, sozial emotional, somatisch, physisch und behavioral. Zusätzlich dazu unterscheiden wir subjektive und objektive Dimensionen von Wohlergehen in Analogie zu der von UNICEF gewählten Unterscheidung: Materielle Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Wohnsituation, und regionale Gegebenheiten. Eine kombinierte Analyse dieser Dimensionen ermöglicht es uns genauere Erkenntnisse über Mechanismen der Entwicklung und des Wohlergehens von Kindern in verschiedenen Lebensbereichen zu gewinnen. Zusammenhänge zwischen verschiedenen Lebensbereichen und.

Familie als Lernort

Die Familie, einschliesslich im selben Haushalt wohnhafte Erwachsene und Geschwister, ist ein wichtiger Sozialisierungs- und Lernort, und somit neben dem schulischen Umfeld, ein wesentlicher Ort an dem “Lernen” gelernt wird, Erfahrungen gesammelt und Verhalten getestet wird (Reardon, 2011; Snow, 2020). Insbesondere Schulübergänge sind Schlüsselmomente der Neudefinition der Rolle der Familie beim Lernen. Die Beobachtung der Fähigkeit verschiedener Familien, Kinder bei solchen Übergängen zu begleiten, trägt dazu bei, Heterogenität im Lernen, in der Entwicklung und im Wohlbefinden der Kinder zu erklären. Unser Ziel ist es sowohl objektive Bedingungen wie Familienstruktur, sozioökonomischer Status und elterliches Bildungsniveau zu erheben, wie auch soziale (Bsp. familiäre Beziehungen) und kulturelle (Bsp. Sprache, Migrationshintergrund, Mediennutzung) auf deren Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Wohlergehen von Kindern zu untersuchen.

Folgende Fragen leiten unser Projekt:

  • Wie unterstützen Eltern ihre Kinder in ihrer Entwicklung und im Lernen?
  • Welche sozialen und kulturellen  (Bsp. elterliches Engagement, Bildungsaspirationen) Unterschiede fallen bei der Strukturierung und Mitgestaltung des Lernortes Familie – im Sinne von Alltagsstrukturierung, Zeitnutzung, elterlicher Organisation, Mediennutzung – auf?
  • Welchen Einfluss haben der familiäre Kontext der Familie und deren Alltagsorganisation auf individuelle Fähigkeiten, Motivation, und schulische Selbsteinschätzungen von Kindern?

Lernen in und durch Beziehungen

Soziale Netzwerke sind Orte des Lernens, des emotionalen Rückhalts oder des Austausches von Information (Putnam, 1993). Wir erforschen die Rolle von sozialen Netzwerken rund um Familien und deren Kinder, um herauszufinden, welche Rolle diese für den Lernfortschritt und die Kindesentwicklung haben. Dabei richten wir den Fokus auf die Rolle von Netzwerken in der Entstehung lernfördernder Rahmenbedingungen und der Entwicklung von Kindern im allgemeinen.

Folgende Fragen leiten unser Projekt:

  • Welche Rolle spielen soziale Netzwerke (Eltern-Kind-Lehrer) in der Förderung von Entwicklung, Lernfortschritt und Wohlergehen von Kindern?
  • Wie unterstützen soziale Netzwerke Kinder bei Schulübergängen und Schulwechsel?
  • Welche Faktoren bestimmen wie rasch sich soziale Netzwerke nach solchen Übergängen konsolidieren, und wie beeinflussen diese Prozesse Lernen, Entwicklung, und Wohlergehen?

 

Das Projekt ist gegliedert in folgenden Studienablauf