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Laufbahnempfehlungen und sozialer Hintergrund

Stellen Sie sich zwei Kinder vor: Maria aus einer Familie mit wenig begünstigtem sozialen Hintergrund und Alex aus einer sozial begünstigten Familie. Obwohl ihre schulischen Leistungen ähnlich sind, wird Alex mit grösserer Wahrscheinlichkeit von Lehrpersonen für weiterführende Schulen empfohlen. Eine Metaanalyse von 73 Studien zeigt, dass Laufbahnempfehlungen zu über 40% von nichtakademischen Faktoren abhängen (Südkamp, Kaiser, & Möller, 2012).

Welchen Einfluss Schulen haben und welche Ansätze die Bildungschancen aller verbessern können, zeigt die vollständige Studie von Batruch et al. (2023).

Zentrale Ergebnisse

Faktor: Sozialer Hintergrund
Dreizehn von 19 Studien finden, dass SuS (Schülerinnen und Schüler) aus sozial weniger begünstigten Familien in Laufbahnentscheidungen benachteiligt werden, selbst wenn man Leistungskriterien wie Testergebnisse und Noten berücksichtigt:

Faktor: Migrationshintergrund
Die Ergebnisse der 24 Studien, die den Einfluss von ethnischen und migrationsbedingten Faktoren bei den Laufbahnempfehlungen untersucht haben, sind gemischt und weniger klar:

Balkendiagramm zur Einfluss des Migrationshintergrundes, das zeigt, das 39.1% der Studien eine Benachteiligung, 8.7% eine ungenauere Einschätzung, 26.1% eine Bevorzugung und 26.1% keinen signifikanten Effekt finden.

Stabiler Effekt
Während das Verhalten, die Anstrengung und die Motivation der SuS einen positiven Einfluss auf die Empfehlungen der Lehrpersonen haben, wirkt sich der soziale Hintergrund und die ethnische Zugehörigkeit weiterhin auf die Empfehlungen aus.

Chancen

Den Fokus verändern

Vorläufige, aber vielversprechende Erkenntnisse deuten darauf hin, dass institutionelle Faktoren den Einfluss des sozialen Hintergrundes in Laufbahnempfehlungen beeinflussen können. Erstens wirken sich Strukturen der Rechenschaftspflicht positiv auf die Entscheidungsprozesse von Lehrpersonen aus. Zweitens begünstigt ein institutioneller Fokus auf Förderung (im Gegensatz zur Selektion) die Reduktion des Einflusses des sozialen Hintergrundes auf Laufbahnempfehlungen.

Wachstum-Icon

Empfehlungen

  1. Verstärkte Rechenschaftspflicht bei Entscheidungsprozessen
    Die Einführung von Rechenschaftsstrukturen wie Aufsichtsräten oder Peer-Reviews in Stufen- oder Schulhausteams zur Überprüfung von Entscheidungen könnte die Fairness von Laufbahnempfehlungen verbessern. Die Forschung zeigt, dass Lehrpersonen ihre Empfehlungen dann reflektierter und bewusster aussprechen, insbesondere in Kontexten, in denen eine Benachteiligung von SuS mit weniger begünstigtem sozialen Hintergrund beobachtet wurde.
  2. Schwerpunkt auf pädagogische Unterstützung statt auf Selektion
    Massnahmen, die den Schwerpunkt von der Auswahl leistungsstarker SuS auf die Unterstützung aller verlagern, können Ungleichheiten in den Empfehlungen aufgrund des sozialen Hintergrundes bei gleicher Leistung verringern. Daher sollte der pädagogischen Unterstützung Vorrang vor einer selektiven Kategorisierung eingeräumt werden.

Fazit

Um gerechte Bildungswege zu fördern, ist es von entscheidender Bedeutung, Massnahmen zur Förderung der Rechenschaftspflicht und einen Fokus auf Förderung (im Gegensatz zur Selektion) in den Vordergrund zu stellen. Solche Initiativen fördern eine Kultur der Fairness, die allen SuS unabhängig von ihrem sozialen oder ethnischen Hintergrund die nötigen Aufstiegschancen bietet.

Referenzen

Batruch, A., Autin, F., Bataillard, F., & Butera, F. (2019). School selection and the social class divide: How tracking contributes to the reproduction of inequalities. Personality and Social Psychology Bulletin, 45(3), 477e490. https://doi.org/10.1177/0146167218791804 

Südkamp, A., Kaiser, J., & Möller, J. (2012). Accuracy of teachers' judgments of students' academic achievement: A meta-analysis. American Psychological Association. https://doi.org/10.1037/a0027627