JCPYD Leitbild
Revision – Version 25/05/2025
1. Identität
Das Jacobs Center for Productive Youth Development (JCPYD) ist ein Forschungszentrum der Universität Zürich (UZH), das sich der Förderung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen widmet. Es wird gemeinsam von der UZH und der Jacobs Foundation (JF) finanziert.
2. Vision: «Jedes Kind soll die Chance haben, sich bestmöglich zu entfalten»
Das JCPYD erweitert das Wissen über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen als zentrale Phasen der menschlichen Lebensspanne und wendet neueste wissenschaftliche Erkenntnisse an, um das Leben und die Zukunft von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Seine Forschung stärkt das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen auf individueller, familiärer, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene und unterstützt junge Menschen dabei, ihre Lebenswege sinnvoll zu gestalten und sich zu sozial engagierten, aktiven und beitragenden Mitgliedern der Gesellschaft zu entwickeln.
3. Forschung
Thematischer Schwerpunkt
Die Forschung des JCPYD deckt die gesamte Lebensspanne ab, von der pränatalen Phase bis ins hohe Erwachsenenalter, mit besonderem Fokus auf die Zeit zwischen früher Kindheit und jungem Erwachsenenalter. Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie Kinder und Jugendliche ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Wir untersuchen die Schutzfaktoren und Risiken, welche die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Perspektiven beeinflussen, wie etwa individuelle Variation (z. B. Wie beeinflussen individuelle Eigenschaften und Fähigkeiten die Entwicklung?), soziale Bindungen (z. B. Wie unterstützen Beziehungen und der Austausch mit Betreuungspersonen eine gesunde Entwicklung?) und Bildung (z. B. Wie wirken sich Schulen und Lehransätze auf Lernen und Wohlbefinden aus?).
Interdisziplinarität
Das JCPYD widmet sich der Durchführung interdisziplinärer, innovativer und kollaborativer Forschung, die untersucht, wie biologische, psychologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Um die Zusammenarbeit über disziplinäre Grenzen hinweg zu fördern, bringt es Forschende aus den drei zentralen JCPYD-Disziplinen zusammen: Soziologie, Psychologie und Ökonomie, während es zugleich mit assoziierten Forschenden aus anderen relevanten Bereichen wie (aber nicht beschränkt auf) Erziehungswissenschaft, Epidemiologie, Gerontologie, Immunologie, Molekularbiologie, Neurowissenschaften, Pädiatrie, Psychiatrie, Demografie, Statistik und weiteren zusammenarbeitet. Das JCPYD fördert einen offenen Dialog, während die spezifische Ausrichtung jeder Disziplin gewahrt bleibt.
Methoden
Das JCPYD fördert die Anwendung und Entwicklung modernster Forschungstechnologie. Es hat eine Reihe grossangelegter Erhebungen und multimodaler Längsschnittstudien entwickelt, um nachhaltige und produktive Entwicklung besser zu erfassen. Diese Studien werden in den kommenden Jahren fortgeführt und durch neue Forschungsinitiativen erweitert. Um die Fülle dieser Daten optimal zu nutzen, strebt das JCPYD eine führende Rolle bei innovativen Methoden der Entwicklungsforschung an. Ein zentraler Bestandteil dieser Vision ist die Einrichtung einer speziellen Infrastruktureinheit für Längsschnittdaten und Methoden, die neue Techniken entwickelt und Forschende sowie Studierende durch Workshops, analytische Beratungen und gemeinsame Problemlösungen unterstützt. Mit diesen Massnahmen gewährleistet das JCPYD nachhaltige methodologische Expertise und verbessert die Qualität sowohl der geplanten als auch der laufenden Forschung.
Transfer und Öffentlichkeitsarbeit
Die Forschung des JCPYD ist praxisrelevant und beeinflusst politische Prozesse. Die Erkenntnisse werden in sinnvolle Lösungsansätze und Massnahmen überführt, wie etwa:
- Translation und Kommunikation: Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an politische Entscheidungsträger:innen und Praktiker:innen in klarer, verständlicher Sprache, die aktuelle politische Fragestellungen anspricht.
- Problem-Lösungs-Orientiertheit: Wichtige gesellschaftliche Herausforderungen werden erkannt und von den JCPYD-Forschungsgruppen mittels Datenerhebungen und -auswertungen angegangen.
- Innovation durch Kollaboration: Entwicklung und Förderung von Partnerschaften zwischen Politik und Forschung, die politische Entscheidungsträger:innen und Wissenschaftler:innen miteinander verbinden.
Um diese Vision zu verwirklichen, plant das JCPYD die Einrichtung eines Policy Labs, das seine Forschenden mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren in den Bereichen Bildung, Gesundheit und psychische Gesundheit vernetzt.
4. Grundwerte
Diversität / Geschlechtergleichstellung
Das JCPYD setzt sich für die Förderung von Vielfalt und die Prävention von Diskriminierung ein. Es tritt jeder Form der Diskriminierung oder Ausgrenzung von Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund stereotyper Zuschreibungen entgegen. Die UZH hat Richtlinien für Geschlechtergleichstellung, Diversität und Schutz vor sexueller Belästigung verfasst. Das JCPYD hält sich an die Richtlinien der UZH und nutzt alle verfügbaren Mittel, um Barrieren abzubauen, die Mitarbeitende, Bewerbende, Teilnehmende oder Partner:innen benachteiligen könnten, mit besonderem Fokus auf die Förderung der Karrieren von Frauen. Dazu gehören die Schaffung eines familienfreundlichen Arbeitsumfelds, der Schutz der persönlichen Integrität, die Stärkung interkultureller Kompetenzen sowie die Förderung vielfältiger Karrierewege.
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Das JCPYD unterstützt die Entwicklung von Forschenden in jeder Karrierephase mit massgeschneiderten, interdisziplinären Möglichkeiten. Für Bachelor- und Masterstudierende bieten wir praxisnahe Forschungsprojekte, spezialisierte Lehrveranstaltungen und Praktika über Institute, Fakultäten und Disziplinen hinweg, einschliesslich Partnerschaften mit dem Zentrum für Neurowissenschaften Zürich (ZNZ) und der IMPRS LIFE. Doktorierende profitieren von anspruchsvollen Doktoratsprogrammen, Schulungen in wissenschaftlicher Integrität, Reproduzierbarkeit und Wissenschaftskommunikation sowie internationalen Workshops zur Erweiterung ihrer Netzwerke. Postdoktorierende haben Zugang zu fortgeschrittener Karriereentwicklung (Antragstellung, Mentoring) und interdisziplinären Kooperationen. Auf allen Ebenen legen wir Wert auf Kreativität, Innovation und methodologische Exzellenz. Das JCPYD pflegt ein dynamisches Umfeld, in dem individuelle Fähigkeiten in einer unterstützenden Atmosphäre gefördert werden und ideale Bedingungen für einen fruchtbaren Austausch geschaffen werden.
Transparenz
Das JCPYD lebt eine Kultur geteilter Verantwortung und Selbstverwaltung und unterstützt die intellektuelle, berufliche und persönliche Entwicklung seiner Mitarbeitenden. Seine Führungsstruktur basiert auf den Grundsätzen der Partizipation, Transparenz, Fairness und ausgewogener Interessenwahrnehmung. Transparenz leitet unsere Forschung von der Datenerhebung bis zur Publikation. Wir folgen den Prinzipien von Open Science, indem wir Methoden, Daten, Instrumente und Publikationen öffentlich teilen. Indem wir Reproduzierbarkeit und Zusammenarbeit fördern, stellen wir sicher, dass unsere Arbeit nicht nur Wissen vorantreibt, sondern auch Vertrauen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und in der Gesellschaft aufbaut.
Nachhaltigkeit
Das Leitbild der UZH besagt, dass «Nachhaltigkeit in der Wissenschaft sowie im [...] Betrieb eine Kernverantwortung darstellt». Die UZH-Nachhaltigkeitspolitik zielt darauf ab, diesen Grundsatz zu kodifizieren, indem sie ein klares Ziel zur Verbesserung der Nachhaltigkeit an der UZH festlegt. Die UZH engagiert sich für die aktive und systematische Förderung nachhaltiger Entwicklung auf allen Ebenen. UZH-Angehörige tragen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeiten zu diesem Bestreben bei. Das JCPYD hält sich an diese Grundsätze und hat ein JCPYD-Nachhaltigkeitskonzept entwickelt.
5. Dienstleistungen
Mit fundiertem Fachwissen und Praxiserfahrung unterstützen JCPYD-Forschende Partner wie Regierungen, öffentliche Einrichtungen und Stiftungen bei drängenden Fragestellungen. Das JCPYD nutzt diese Fähigkeiten, um die Institutionen zu unterstützen, indem es deren Fragen durch evidenzbasierte Forschung in umsetzbare Lösungen überführt. Damit schlagen wir die Brücke zwischen Daten und konkreter Wirkung in der Praxis.
Das JCPYD vermittelt dieses Wissen und diese Fähigkeiten in der postgradualen Weiterbildung an Fachkräfte unterschiedlicher Disziplinen. Durch Partnerschaften mit Institutionen wie der UZH schaffen und gestalten wir Programme (z. B. Master of Advanced Studies), um Fachleute aus verschiedenen Bereichen mit den nötigen Kompetenzen für wissenschaftliche und praxisbezogene Herausforderungen auszurüsten.