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Eltern arbeitslos – und dann?

Das Jugendalter ist eine Entwicklungsphase, in der sich wirtschaftliche Unsicherheit in der Familie nachhaltig auf die späteren Lebensumstände auswirken kann. In dieser Studie wurde untersucht, wie die elterliche Arbeitslosigkeit mit dem subjektiven Wohlbefinden von Jugendlichen in Europa zusammenhängt und ob nationale Bildungspolitiken diese Auswirkungen abmildern können. Die vollständige Studie von Baranowska-Rataj et al. (2023) Parental unemployment and adolescents’ subjective wellbeing - the moderating
role of educational policies ist hier zugänglich.

Zentrale Ergebnisse

Eltern-Arbeitslosigkeit belastet Jugendliche nicht nur
emotional

Jugendliche, deren Eltern arbeitslos sind, berichten über eine deutlich geringere Lebenszufriedenheit. Die negativen Folgen gehen über die unmittelbare finanzielle Belastung hinaus und wirken sich auf die psychische Gesundheit und die sozialen Beziehungen der Heranwachsenden sowie auf ihre Zukunftschancen aus. Dies deutet auf generationsübergreifende Auswirkungen von finanzieller Not und Belastung der Eltern sowie auf einen verminderten Zugang zu Ressourcen hin, die die Eltern ihren Kindern zur Verfügung stellen können.

 

Chancen

Bildungszulagen und ihre abfedernde Wirkung

Finanzielle Unterstützung in Form von  Bildungszulagen, die den Zugang zur Bildung erleichtern, spielen eine entscheidende Rolle bei der Abfederung der negativen Auswirkungen. Jugendliche, die eine solche Unterstützung erhalten, berichten über ein besseres Wohlbefinden als diejenigen, die keine Unterstützung erhalten. Für Jugendliche, deren Eltern erwerbstätig sind, haben diese Beihilfen nur geringe oder gar keine Auswirkungen, was ihren gezielten Schutzwert unterstreicht.

Jugendliche, die in Ländern mit einem breiter  abgedeckten Angebot an Bildungszulagen leben, erleben eine geringere Verschlechterung ihres Wohlbefindens, wenn ihre Eltern arbeitslos werden. Dies unterstreicht die Bedeutung umfassender sozialer Sicherheitsmechanismen für den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen.

Empfehlungen

Stärkung und Verbesserung der Programme für Bildungszulagen

Das Erhöhen der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Bildungszulagen für Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, ist entscheidend, um die Teilnahme an Bildung und das Wohlergehen der Jugendlichen zu fördern. Dies könnte die Erhöhung der finanziellen Unterstützung, die Ausweitung der  Anspruchsberechtigung auf einen grösseren Kreis von Familien und die Vereinfachung des Antragsverfahrens beinhalten.

Die Ursachen der Arbeitslosigkeit angehen und abmildern

Während bildungspolitische Massnahmen die negativen Folgen des Arbeitsplatzverlusts der Eltern abschwächen können, ist es von entscheidender Bedeutung, die Ursachen der Arbeitslosigkeit
anzugehen. Dazu könnten Investitionen in Arbeitsbeschaffungsprogramme, die Bereitstellung von Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten durch lebenslanges Lernen (Höherqualifizierung/Umschulung) und die Stärkung sozialer Sicherheitsnetze zur Unterstützung von Familien in wirtschaftlichen Notlagen gehören.

Fazit

  • Bildungszulagen stärken
    Sie können die negativen Auswirkungen elterlicher Arbeitslosigkeit auf das Wohlbefinden von Jugendlichen abfedern.

  • Breiter Zugang ist entscheidend
    Gut zugängliche Bildungsunterstützung kann besonders betroffene Familien wirksam erreichen.
  • Gesellschaftlicher Nutzen
    Sozialpolitische Massnahmen wirken als kollektive Ressource und können über die direkt Unterstützten hinaus positive Effekte entfalten.

Autorinnen

Für LEARN verfasst von Dr. Juliette Torabian, Dr. Doris Hanappi und Dr. Laura Bernardi

Originalbeitrag

Parental unemployment and adolescents’ subjective wellbeing - the moderating role of educational policies” by Anna Baranowska-Rataj, Björn Högberg, and Laura Bernardi).
DOI dieses LEARN Briefs: 10.5281/zenodo.15304218

Referenzen

Baranowska-Rataj, A., Högberg, B., & Bernardi, L. (2024). Parental unemployment and adolescents’ subjective wellbeing—The moderating role of educational policies. European Sociological Review, 40(2), 276–292.
https://doi.org/10.1093/esr/jcad038 

 

Downloads

Faktenblatt (PDF, 679 KB)

Policy Brief (PDF, 656 KB)