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Englisch begegnet uns überall. Wie sich ausserschulischer Sprachkontakt auf den Fremdsprachenerwerb auswirkt.

Sprachenlernen findet nicht nur in der Schule statt. Aktuelle Forschung auf der Grundlage einer Schweizer Längsschnittstudie (Pfenninger, 2022) zeigt, dass ausserschulischer Englischkontakt den Erwerb von Englischkenntnissen schon früh massgeblich beeinflusst.

Ausserschulische Faktoren miteinzubeziehen hilft, individuelle Unterschiede beim Fremdsprachenlernen besser zu verstehen und realistische Erwartungen an die Wirkung schulischer Massnahmen zu entwickeln. Der Einfluss der Schule ist gross, aber nicht unbegrenzt.

Zentrale Ergebnisse

Ausserschulische Faktoren beeinflussen den Spracherwerb deutlich

Pfenninger (2022) zeigt auf, dass ausserschulischer Sprachkontakt ein starker Einflussfaktor für den Erwerb von Englischkenntnissen ist. Zu ähnlichen Ergebnissen gelangen auch zahlreiche Studien aus anderen europäischen Ländern (z. B. Muñoz, 2014; Peters, 2018; Peters et al., 2019; Puimège & Peters, 2019; De Wilde et al., 2020). Neben eher traditionellen Formen des Sprachkontakts wird insbesondere die Bedeutung digitaler Medien wie soziale Netzwerke, Internetangebote, Fernsehen sowie Gaming hervorgehoben.

Ausserschulischer Englischkontakt zählt bereits vor dem Fremdsprachenunterricht

Mehrere Studien, unter anderem zwei aus Belgien (Kuppens, 2010; Puimège & Peters, 2019; De Wilde et al., 2020), zeigen, dass der implizite Erwerb von Fremdsprachen bereits vor dem Beginn des formalen Fremdsprachenunterrichts stattfinden kann. Kinder mit häufigerem Kontakt zur englischen Sprache, beispielsweise durch englischsprachige digitale Medien, verfügten über signifikant bessere Englischkenntnisse als Kinder mit geringerem Sprachkontakt. Dies deutet darauf hin, dass informeller Sprachkontakt die Kenntnisse von Fremdsprachen bereits beeinflussen kann, bevor schulischer Fremdsprachenunterricht überhaupt wirksam wird.

Chancen

Forschung zur Mehrsprachigkeit (Byers-Heinlein et al., 2025) weist zudem darauf hin, dass nicht nur die Menge des Sprachkontakts entscheidend ist, sondern auch dessen soziale Funktion sowie die gesellschaftliche Relevanz einer Sprache. Englisch ist heute in vielen Lebensbereichen präsent und insbesondere im digitalen Raum nahezu allgegenwärtig. Dadurch ergeben sich deutlich mehr Gelegenheiten für authentischen Sprachkontakt als bei anderen Fremdsprachen.

Empfehlungen

Lerngewinne im Fremdsprachenerwerb nicht ausschliesslich anhand schulischer Faktoren beurteilen

Die aktuelle Forschung zeigt die Wichtigkeit von ausserschulischen Faktoren auf. Der Erfolg beim Fremdsprachenlernen hängt folglich nicht allein von der Qualität oder Intensität des Unterrichts ab. Bei der Evaluation von Unterrichtserfolgen sollten daher auch Unterschiede im ausserschulischen Sprachkontakt berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere bei Vergleichen zwischen verschiedenen Fremdsprachen, beispielsweise zwischen Französisch und Englisch.

Individuelle Unterschiede mithilfe ausserschulischer Faktoren besser verstehen

Da ausserschulischer Sprachgebrauch einen erheblichen Einfluss auf die Sprachkompetenzen von Kindern haben kann, sollte er bei Förderentscheiden mitberücksichtigt werden. Dies ermöglicht eine differenziertere Einschätzung von Lernständen und unterstützt eine gezielte individuelle Förderung.

Ausserschulische Faktoren systematisch erfassen und deren
Wirkung untersuchen

Zukünftige Forschung sollte ausserschulische Faktoren konsequent miterheben, aber auch untersuchen, ob sich vermehrter Kontakt mit englischsprachigen Medien auf Lernen, Motivation, Mediennutzung oder das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern auswirkt.

Fazit

  • Ausserschulischer Sprachkontakt (z.B. durch digitale Medien) spielt eine grosse Rolle für den Fremdsprachenerwerb.

  • Lerngewinne im Fremdsprachenunterricht hängen nicht nur von der Qualität und Intensität des Unterrichts ab.
  • Ausserschulische Faktoren sollten bei bildungspolitischen Überlegungen und Forschungsvorhaben berücksichtigt werden.

Autorin

Dr. Yvonne Oberholzer
Jacobs Center for Productive Youth Development

Hauptreferenzen

Muñoz, C. (2014). Contrasting Effects of Starting Age and Input on the Oral Performance of Foreign Language Learners. Applied Linguistics, 35(4), 463–482.
https://doi.org/10.1093/applin/amu024

Pfenninger, S. E. (2022). Emergent bilinguals in a digital world: A dynamic analysis of longterm L2 development in (pre)primary school children. International Review of Applied Linguistics in Language Teaching, 60(1), 41–66.
https://doi.org/10.1515/iral-2021-0025

Puimège, E., & Peters, E. (2019). Learners’ English Vocabulary Knowledge Prior to Formal Instruction: The Role of Learner‐Related and Word‐Related Variables. Language Learning, 69(4), 943-977.
https://doi.org/10.1111/LANG.12364

Vollständige Referenzliste im ausführlichen Policy Brief.

 

Downloads

Faktenblatt (PDF, 458 KB)

Policy Brief (PDF, 860 KB)