Von der Kita bis zur Uni: Wie soziale Ungleichheiten unseren Bildungsweg beeinflussen
Soziale Ungleichheiten beeinflussen sowohl Bildungsergebnisse wie auch Bildungsverläufe. Eine aktuelle Studie aus Deutschland untersucht soziale Ungleichheiten entlang des Bildungswegs von der
Kindertagestätte (Kita) bis zur Universität. Sie zeigt auf, wie Bildungsungleichheiten über verschiedene Mechanismen und an unterschiedlichen Übergängen im Bildungssystem entstehen.
Der ausführliche Artikel dazu ist hier verfügbar.
Zentrale Ergebnisse
Soziale Ungleichheiten beim Besuch von frühen Bildungs- und
Betreuungsangeboten
Kinder aus unteren sozialen Schichten besuchen seltener Kitas. Vor dem zweiten Lebensjahr ist der Kitabesuch insbesondere vom beruflichen Status der Eltern abhängig. Ab dem dritten Lebensjahr ist er
eher vom Bildungsniveau der Eltern abhängig.
Kompetenzunterschiede entstehen früh und bleiben über die Schulzeit stabil
Bereits im Vorschulalter zeigen sich systematische Unterschiede in den schulischen Kompetenzen nach der sozialen Herkunft. Diese Unterschiede nehmen im Laufe der Vorschulzeit zu. Die Unterschiede
bleiben über die Primarschulzeit bestehen, bleiben aber weitgehend stabil.
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Soziale Ungleichheiten in der Leistungsbeurteilung
Bei gleichen Kompetenzen erhalten Schüler:innen aus oberen sozialen Schichten bessere Noten und häufiger eine Gymnasialempfehlung als Schüler:innen aus unteren sozialen Schichten.
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Soziale Ungleichheit bei Bildungsentscheidungen und der Erlangung der Hochschulreife (Matura)
Rund ein Drittel der Jugendlichen aus unteren sozialen Schichten erreicht die Hochschulreife, verglichen mit etwa der Hälfte aus mittleren und mehr als drei Viertel aus oberen sozialen Schichten. Dabei sind Unterschiede nicht nur mit höheren Kompetenzen zu erklären, sondern auch mit schichtspezifischen Bildungsentscheidungen.
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Migrationshintergrund geringere Bedeutung als soziale Herkunft
Bei gleichen sozialen Ausgangsbedingungen gehen mit einem Migrationshintergrund kaum zusätzliche Unterschiede im Bildungsverlauf einher. Ausnahmen bilden der frühe Wortschatzerwerb und
geringere Kitabesuchsquoten.
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Implikationen
Bildungsungleichheiten entstehen aufgrund verschiedener Mechanismen und wirken sich gemeinsam auf den Bildungsverlauf aus. Um diese zu verringern, braucht es deshalb Massnahmen auf mehreren
Ebenen: bei der frühen Bildung, bei der Leistungsbeurteilung und bei der Gestaltung von Übergängen in weiterführende Schulen.
Empfehlungen
Frühe Bildung ausbauen
Frühe Bildungs- und Betreuungsangebote sollten qualitativ ausgebaut und für alle Familien niederschwellig zugänglich gemacht werden.
Frühe Sprachförderung unterstützen
Kinder aus unteren sozialen Schichten und mit Migrationshintergrund sollten früh unterstützt werden,
damit Kompetenzrückstände nicht bereits vor dem Schuleintritt entstehen.
Späteres Selektieren für weiterführende Schulen
Übergänge in weiterführende Schulen sollen später erfolgen, um schichtspezifische Bildungsunterschiede zu reduzieren.
Lehrpersonen sensibilisieren
Lehrpersonen sollten in Aus- und Weiterbildung für unbewusste Vorurteile bei der Beurteilung und
Übergangsempfehlungen sensibilisiert werden.
Fazit
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Bildungsungleichheiten entstehen früh und bleiben stabil
Soziale Unterschiede in schulischen Kompetenzen zeigen sich bereits im Vorschulalter und bleiben über die gesamte Schulzeit hinweg weitgehend bestehen. - Kompetenzen allein erklären Bildungsungleichheiten nicht
Auch bei gleichen Kompetenzen sind schichtspezifische Unterschiede in Noten, Übergangsempfehlungen und Bildungsentscheidungen zu beobachten. - Bildungsgerechtigkeit erfordert Massnahmen auf mehreren Ebenen
Von der frühen Förderung über die Leistungsbeurteilung bis hin zur Gestaltung von Schulübergängen braucht es gezielte Interventionen.
Autorinnen
Dr. Lidia Truxius, Dr. Doris Hanappi, MSc Medea Fitzlaff
Jacobs Center for Productive Youth Development
Originalbeitrag
Basierend auf dem Originalbeitrag: "Von der Kita bis zur Uni. Wie soziale Ungleichheiten
unseren Bildungsweg beeinflussen" von Marcel Helbig, Claudia Karwath und Corinna Kleinert
https://doi.org/10.31244/9783818850166
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