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Schulen als pädagogische Handlungseinheit: Unterschiede in der Kooperationspraxis und ihre Hintergründe

Vor 40 Jahren konnte Helmut Fend (1986) auf Basis einer grossen Studie in nahezu 60 Schulen in Deutschland erstmals die Perspektiven von Schüler:innen, Lehrpersonen und Eltern zu ihrer Schule analysieren und miteinander vergleichen. Als Resultat zeigte sich, dass die Schule für das Lernen der Schüler:innen einen spezifischen eigenen Beitrag leistet. Der Beitrag der Schule geht über denjenigen der Klasse und des Individuums hinaus. Der Einfluss der Schule auf das Lernen der Schüler:innen macht die Schule zu einer eigenständigen «Pädagogischen Handlungseinheit».

Doch was genau macht den Unterschied zwischen Schulen aus? Und welche Rolle spielt die Zusammenarbeit von Lehrpersonen dabei?

Diesen Fragen sind Katharina Maag Merki, Beat Rechsteiner und Andrea Wullschleger (2025) nachgegangen. Sie nutzen die Ergebnisse der umfangreichen SIC-Studie zur Entwicklungskapazität von Schulen (www.ife.uzh.ch/sic). Darin wurden ca. 100 Lehrpersonen in vier Sekundarschulen und je knapp 1600 Lehrpersonen und Schüler:innen in 59 Primarschulen der Deutschschweiz befragt.

Zentrale Ergebnisse

Die einzelnen Schulen unterscheiden sich

Schulen unterscheiden sich in ihrer Kooperationspraxis. Es zeigen sich unterschiedliche Muster hinsichtlich der Art und der Themen, zu denen Lehrpersonen zusammenarbeiten und miteinander interagieren. Diese Unterschiede lassen sich nicht durch individuelle Merkmale einzelner Lehrpersonen erklären, sondern sind ein Merkmal der jeweiligen Schule.

Warum unterscheiden sich Schulen

Zwei Faktoren erklären die Unterschiede in der Kooperationspraxis: 

1. die soziale Lage der Schule.
Die Zusammensetzung der Schülerschaft stellt unterschiedliche Anforderungen und beeinflusst, worüber Lehrpersonen sich austauschen.

2. die professionelle Praxis innerhalb der Schule.
In manchen Schulen suchen Lehrpersonen häufiger aktiv den fachlichen Austausch.

Nicht wie viel kooperiert wird ist relevant, sondern worüber

Lehrpersonen, die vorwiegend über fachlich-inhaltliche Fragen des Unterrichts zusammenarbeiten, erleben die Kooperation als wertvoller.

Schüler:innen können profitieren

Wenn Kooperationszeit für die Weiterentwicklung des Unterrichts genutzt wird, steigen Unterrichtsqualität und in der Folge die Leistungen der Schüler:innen.

Fazit

  • Kooperation und Zusammenarbeit fördern
    Schulentwicklung gelingt nicht isoliert durch einzelne Lehrpersonen, sondern aufgrund erfolgreicher Zusammenarbeit im Kollegium. Kooperation gelingt insbesondere dann, wenn sie gezielt auf Unterricht, Team und Schule sowie auf die Förderung der Schüler:innen ausgerichtet ist.

  • Teams als zentrale Handlungseinheiten
    Neben der Schule als pädagogische Handlungseinheit sind es vor allem Subgruppen oder Teams, die zentrale kollektive Handlungseinheiten darstellen.
  • «Broker» als wichtige Verbindungsglieder
    Broker verknüpfen bislang unvernetzte Gruppen, wie beispielsweise verschiedene Schulteams, Forschung, Bildungsverwaltung und -politik, und fördern so den Transfer von Wissen und innovativen Praktiken für die Schulentwicklung.

Autorinnen

Dr. Lidia Truxius, Dr. Doris Hanappi, MSc Medea Fitzlaff
Jacobs Center for Productive Youth Development

Originalbeitrag

Basierend auf dem Originalbeitrag: "Die Schule als Pädagogische Handlungseinheit im Lichte aktueller Forschungsbefunde" von Katharina Maag Merki, Beat Rechsteiner und Andrea Wullschleger.
https://doi.org/10.25656/01:34502

 

Downloads

Faktenblatt (PDF, 1 MB)

Policy Brief (PDF, 1 MB)