Mehr als nur ein Stressmarker: Neue Publikation zu Cortisol und Cortison im Haar
Unter der Leitung von Dr. Clarissa Janousch wurden im Rahmen einer neuen z-proso-Studie Haarproben von über 1.000 jungen Erwachsenen analysiert, um den Zusammenhang zwischen dem Cortisolspiegel im Haar und psychosozialem Stress zu untersuchen.
Der Forschungsbereich Risk and Resilience (PI: Prof. Lilly Shanahan) des Jacobs Center hat gemeinsam mit der Forschungsgruppe Experimentelle Pharmakopsychologie und Psychologische Suchtforschung (PI: Prof. Boris Quednow) und dem Zentrum für Forensische Haaranalytik am Zürcher Institut für Rechtsmedizin eine neue Arbeit im Rahmen der z-proso-Studie veröffentlicht, unter der Leitung von Dr. Clarissa Janousch. Auf Basis von Haarproben von mehr als tausend jungen Erwachsenen zählt die Studie zu den bislang umfassendsten Versuchen, zu prüfen, wie belastbar der Zusammenhang zwischen Cortisol im Haar und psychosozialem Stress tatsächlich ist.
Die robustesten Korrelate der Glukokortikoidwerte im Haar waren nicht psychologischer Natur, sondern Haareigenschaften (Farbe, Waschen, chemische Behandlung), die Jahreszeit der Probenahme, der Body-Mass-Index, hormonelle Verhütung (bei Frauen) sowie im Haar gemessene Substanzen (Cannabis, Kokain, MDMA, Paracetamol) und das Hormon Testosteron. Psychosoziale Faktoren zeigten sich zwar ebenfalls, jedoch variabler: wahrgenommener Stress, Angst- und Depressionssymptome, soziale Ausgrenzung und sportliche Aktivität hingen stärker mit Cortisol zusammen, während Mediennutzung, Aggression und Coping stärker mit Cortison verbunden waren.
Die Muster verschoben sich zudem nach Geschlecht und Alter. Mit 20 Jahren traten mehr Zusammenhänge bei jungen Männern auf, häufig im Bereich Substanzkonsum und familiäres Umfeld; mit 24 Jahren zeigten junge Frauen das breitere Spektrum an Zusammenhängen, insbesondere mit psychosozialen Belastungen, psychischen Symptomen, Schlaf und körperlicher Aktivität. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Cortisol und Cortison im Haar nicht als unmittelbare Stellvertreter für empfundenen Stress verstanden werden sollten, sondern als komplexe Marker, die von methodischen, biologischen, verhaltensbezogenen und umweltbedingten Faktoren geprägt sind.
Publikation: Janousch, C., Eggenberger, L., Johnson-Ferguson, L., et al. Beyond a simple marker of stress: A multiverse analysis of biopsychosocial associations with hair cortisol and cortisone. Psychoneuroendocrinology, 3 July 2026 (open access). DOI: 10.1016/j.psyneuen.2026.107953